06.07.2016

Symposium Sounds and Structure in Language and Music am 10. Juli


 

Am Sonntag, 10. Juli 2016 ab 10 Uhr findet im Musiksaal im Hauptgebäude das Symposium "Sounds and Structure in Language and Music" statt. Veranstalter des Symposiums sind Professor Dr. Aria Adli (Romanisches Seminar) und PD Dr. Doris Mücke (IfL Phonetik).

Hier geht es zum Programm.

Inhalt des Symposiums:

Was haben ein Baum, ein Kanon und die deutsche Sprache gemeinsam? - Viel, meinen die Kölner Sprachwissenschaftler, denn alle drei zeigen ähnliche Strukturen. Anlässlich des 70. Geburtstages Klarenz Barlow wollen sich nun international bekannte Sprachwissenschaftler und Komponisten über solche Strukturen während des Symposiums „Sounds and Structure in Language and Music“ austauschen. Mit dabei ist Klarenz Barlow selber, der jahrzehntelang in der Rheinmetropole gelebt und gearbeitet hat. Weitere bekannte Gäste werden der österreichische Komponist Peter Ablinger und der britische Sprachwissenschaftler James Kirby aus Edinburgh sein. Mit dem Komponisten Roman Pfeifer und dem Linguisten Bodo Winter nimmt auch die nächste Generation von interdisziplinären Forschern teil. Die Research Group „Music, Language and Cognition“ der Kölner Linguisten und Musikwissenschaftler ist der Initiator des Symposiums, das zusammen mit dem Festival BAR70W stattfindet, das eine Auswahl der Werke des Komponisten präsentiert. Das Symposium wird durch die Thyssen Foundation gefördert.

„Wir können viel voneinander lernen“, sagt Professor Dr. Aria Adli, Gründer des Sociolinguistic Lab der Universität zu Köln und Linguist vom Romanischen Seminar. Denn Sprachwissenschaftler und Musiker legen beide den Fokus auf Strukturen, die überall zu finden sind: „Sprache, Musik oder Lebewesen - sie alle zeigen zum Beispiel Strukturen der Rekursion, der Wiederholung von Variationen eines Musters auf verschiedenen Ebenen.“ So wird ein Baum zum Ast, zum Zweig, zu Blattadern. Im Kanon wirkt ein einfaches Strukturprinzip sich auf Detail und Form gleichermaßen aus, in einer Sprache werden übergreifende Muster im Detail wieder aufgenommen. Ähnliche Formen im Großen wie im Kleinen. Doch das ist nicht alles: Betonung, Akzent, Sonorität – viele Elemente menschlicher Sprachen lassen sich in der Musik wiederfinden.

Besonders deutlich wird dies in der Neuen Musik. „Bei vielen Komponisten der Neuen Musik ist die Beschäftigung mit sprachlichen Strukturen ein wesentliches Merkmal ihrer Arbeiten“, so Aria Adli. „Für uns Linguisten ist es sehr bereichernd zu sehen, wie man komplexe Strukturfragen und Modelle wie die Rekursion in der Komposition umsetzen und sinnlich erfahrbar machen kann.“ Zum anderen verwenden Komponisten wie Wissenschaftler die computergestützte Klanganalyse und verändern kontrolliert Klänge. Während die Linguisten den statischen Zustand analysieren und verstehen, modifizieren Komponisten ihn. Adli: „Das führt zu sehr interessanten klanglichen Experimenten, die uns auch neue Ideen geben. Wir sprechen eine ähnlichere Sprache als manche denken.“

Köln ist einer der besten Orte der Welt, um den Brückenschlag zwischen Musik und Sprache zu versuchen, meint Adli: „Der Köln-Bonner Raum war schon immer ein Zentrum der interdisziplinären Forschung von Linguisten und Musikern. Es gibt sonst nur wenige Orte auf der Welt, die man ansonsten mit dieser innovativen Arbeit verbindet.“ Der Linguist erinnert dabei exemplarisch an die Zusammenarbeit zwischen Karlheinz Stockhausen und dem Bonner Kommunikationswissenschaftler Professor Werner Meyer-Eppler schon in den 60er Jahren. Der Kölner Phonetiker Georg Heike arbeitete dann in den 70er Jahren mit Klarenz Barlow zusammen. „Barlow hatte damals Zugang zu den Computeressourcen im Phonetischen Institut, um seine computerbasierten Kompositionstechniken umzusetzen“, so Adli. Das IfL Phonetics Lab Cologne des Instituts für Linguistik Phonetik in Person von Fr. PD Dr. Doris Mücke, ihres Zeichens Phonetikerin und Musikschaffende, ist einer der Veranstalter des Symposiums. Ohne die Basis der engen Kooperationen zwischen den Laboren – Sociolinguistic Lab und IfL Phonetics Lab der Universität zu Köln - sowie zwischen Wissenschaftlern und Kunstschaffenden wäre eine solche Veranstaltung nicht denkbar.

38 Jahre lang hat Klarenz Barlow in Köln studiert, geforscht und gelebt. Kaum ein anderer Pionier der Neuen Musik ist so eng mit der Rheinmetropole verbunden, wie der 1945 in Kalkutta geborene Komponist und Musikwissenschaftler – und kaum ein Musiker ist so interessant für Sprachwissenschaftler. Sein Konzept der „Synthrumentation“, der Synthese von Sprache oder anderen Klängen durch Musikinstrumente, transponiert sprachliche Muster in Musik. Barlow schreibt seit den 70er Jahren Softwaren und Texte, theoretisiert, hält Vorträge und ist der Lehrer vieler inzwischen selber prominenter Komponisten. Bereits seit den 1970er Jahren verwendet er den Computer als Medium des Kompositionsprozesses und ist heutzutage weltweit bekannt für seine Forschungen im Bereich der Algorithmischen Komposition, der Sprach- und Klangsynthese und Vorreiter konzeptueller Kompositionsansätze.